VI Vorwort. schen Schußweitenänderungen mit wachsender Rohrerwärmung nicht deuten konnte, daß man mit falschen Flugbahnschwenkungen arbeitete, daß man einen wesentlich empirischen Drall anwandte, der die Züge be- schädigte u. v. a. Diese Beispiele zeigen zugleich, wie das vorliegende Buch, obwohl theoretisch, doch niemals die praktischen Fragen aus den Augen verliert. Ja, es verdankt geradezu der Praxis seine Entstehung. Als der Verfasser für die ihm als Batteriechef und Abteilungskommandeur unterstellten Luftabwehrformationen praktische Schießverfahren auf- stellen mußte, zeigte sich, daß noch nicht die beiden ersten Voraussetzungen hierzu erfüllt waren, nämlich: Kenntnis des geometrischen und zeitlichen Verlaufs der Flugbahn bei großen Erhöhungen und großen Anfangs- geschwindigkeiten, und: Möglichkeit, die Höhe des Luftziels zu messen. Letzteres erreichte der Verfasser sofort durch seinen Höhenmesser, der eine Reihe weiterer Vorrichtungen veranlaßte (s. achtzehntes Kapitel), ersteres führte ihn zu einer sehr einfachen und genauen Flugbahn- zeichnung und zu neuen analytischen Entwicklungen, durch die eine bisher mehr geahnte als erkannte Zweiteilung der äußeren Ballistik hervor- trat. Diese Zweiteilung ergab nicht nur ein wertvolles Einteilungsprinzip, sondern stellte die älteren Verfahren erst an ihren rechten Platz und in das rechte Licht. Insbesondere gilt dies von den Siacchischen Näherungs- formeln. Für diese ergaben sich mehrere Abschätzungen der Genauigkeit in verschiedenen Schärfegraden, eine unentbehrliche Ergänzung aller Näherungsformeln, die aber hier merkwürdigerweise noch fehlte. Nachdem der Verfasser einen Teil seiner Ergebnisse in einer Reihe von Aufsätzen und in wiederholten Vorlesungen veröffentlicht hatte, gewann für ihn die Ballistik als Ganzes eine neue Gestalt. Dem Wunsch nach Veröffentlichung kam die Verlagsfirma in dankenswerter Weise entgegen. Die nunmehr vorliegende Ballistik weist als neu noch die zwischen innerer und äußerer Ballistik einzuschaltende Übergangsballistik und als Ballistik in großen Höhen die kosmische Ballistik auf. Aber auch in dem alten Bestande der Ballistik wird der Kundige allenthalben Neues finden. So ist noch die neue Behandlung der konischen Pendelung und der Seitenabweichung hervorzuheben, ferner eine neue Theorie der Schuß- faktoren, praktisch wichtige Bemerkungen über Streuungen u. v. a. Wenn auch durchgängig, wie es der Gegenstand verlangt, mit den Methoden der Mathematik, besonders auch denen der angewandten, ge- arbeitet wird, so werden doch grundsätzlich die einfachsten und kürzesten bevorzugt bzw. eigens aufgesucht. Nur so war es möglich, den großen Stoff auf dem verfügbaren Raum darzustellen.