Vorwort. Die deutsche ballistische Literatur besitzt das umfangreiche Werk von Cranz, durch die Fülle seines Stoffes, die vielen wertvollen Tafeln und die zahlreichen durchgerechneten Beispiele ein unentbehrliches Handbuch für den ballistischen Praktiker, für den Offizier und Waffentechniker. Wendet sich Cranz ausdrücklich an den Nichtmathematiker und ver- meidet er deshalb möglichst mathematische Entwicklungen, so bringt das vorliegende Buch gerade den mathematischen Gehalt der Ballistik zur Darstellung, in der Erwägung, daß für wesentliche Fortschritte auf dem Gebiete der Ballistik die Mitwirkung der Mathematik unerläßlich ist. Die Auffassung der Ballistik als einer mathematischen Disziplin verlangte einen strengeren systematischen Aufbau. Als Wissenschaft muß sich die Ballistik frei nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln. Zwar muß sie aus der Praxis Aufgaben, Anregungen und Erfahrungsergebnisse entnehmen und ihr dafür neue oder verbesserte Schießverfahren, Versuchsmethoden usw. zurückgeben. Wird aber aus dieser steten Fühlung mit der Praxis eine Führung durch die Praxis, so bleiben wissenschaftliche Ergebnisse von nicht gleich erkennbarem, praktischem Wert ungefördert. Der an- gedeuteten Gefahr ist die Ballistik nicht immer entgangen. Das ist der Hauptgrund für die auch von Cranz beklagte auffallend langsame Ent- wicklung der Ballistik gegenüber verwandten Wissenschaften. Die Praxis hat den Schaden davon, indem sie z. B. durch unrationelle Schießversuche oder durch Festhalten an falschen Formeln (s. S. 106) Munition vergeudet. Und wenn die Praxis der Theorie etwa in der Berücksichtigung des Höhen- luftgewichts und des Höhenwindes voraus war, so wird doch erst durch die Theorie das Verfahren betreffend das Luftgewicht bestätigt und be- gründet, dasjenige betreffend den Höhenwind als falsch erkannt und durch das Richtige ersetzt. Daß dies erst in diesem Buche erfolgt, beweist das wirk- liche Zurückbleiben der Ballistik. Weitere Beispiele sind, daß man bisher den Regen nicht richtig zu berücksichtigen wußte, daß man die periodi-