174 Weltsystem (Fragment). Naturwissenschaft nicht nach dem Ursprung solcher perpetuellen Bewegungen, weil dies zu dem metaphysischen Problem des ,,primum movens" hinführen würde. Gegenüber den aus der Astronomie bekannten ursprünglichen oder perpetuellen Bewegungen stehen jene vergänglichen Bewe- gungen, mit denen wir innerhalb unseres irdischen Milieus ver- trautesten alltäglichen Verkehr pflegen. Sie haben einen eigen- tümlich treulosen Charakter, denn sie haften nicht permanent an einem und demselben Körper, sondern gehen von einem Körper auf den anderen über. Sie werden dem einen Körper durch den anderen,,mitgeteilt". Die Körper sind unfähig, sie festzuhalten, sie rinnen gleichsam durch unsichtbare Kanäle aus ihnen heraus und versickern in geheimnisvoller Weise in den Nachbarkörpern, wo sie sich eventuell durch Veränderung der Temperatur, der chemischen Verhältnisse, des elektrischen Zustandes usw. merkbar machen. Kurz, die irdischen Bewegungen, die wir wahrnehmen und kraft unseres Willens werktätig produzieren oder durch Ma- schinen erzeugen, übertragen sich restlos von einem Körper auf den anderen oder verschwinden, indem sie sich „,in andere Energie- formen umwandeln". Wie anders verhalten sich die ehernen Be- wegungsformen des Himmelsraumes! Sie haften untrennbar an den Weltkörpern, als ob sie ihnen angeboren und unauslöschbar eingeprägt wären, so daß sie zu ihrem Wesen zuzugehören scheinen. Hier nun wird es verständlich, warum der Anblick des Himmels einen so überwältigenden Eindruck auf den menschlichen Geist übt. Man blickt auf zu dem Reiche der unvergänglichen Bewe- gungen, die vielleicht deshalb so still und lautlos sich vollziehen, weil sie mit solch unverbrüchlicher Treue durch die Jahrtausende ausdauern, während die irdischen, lärmenden Bewegungen von Körper zu Körper hinüberschwanken, sich zersplittern, zerstreuen und zerstäuben, um die lustige Maskerade von der Umwandlung der Energieformen aufzuführen. Angesichts der ungeheuren, unsteten Mannigfaltigkeit von wandernden und verschwindenden Bewegungen, die das irdische Milieu darbietet, wirft man unwillkürlich die Frage auf, ob denn diesem unsteten Spielman denke z. B. an das Wehen der Winde, an das Branden der Meereswogen, an das Abbröckeln der Gebirge usw. nicht doch irgendwelche perpetuelle Bewegungsformen der kleinsten materiellen Teilchen geheimnisvoll zugrunde liegen. Un- willkürlich stellt man sich vor, daß jene elementaren Bausteine der Materie, die man in der modernen Physik als molekule Jonen, Atome und Elektronen zu bezeichnen pflegt, ihre eigenen ur- sprünglichen Bewegungen besitzen, die ihnen so eingeprägt sind und so zu ihrem Wesen gehören wie z. B. die Rotation zur Konsti- tution eines Weltkörpers. Dann gäbe es zwei Arten von ehernen