172 Weltsystem (Fragment). gelehrten von ihr abwandte. Die vielfachen Einwände, die gegen sie erhoben wurden, findet man übersichtlich dargestellt in dem lesenswerten Aufsatz von Otto Knopf (,,Kosmogonie", Hand- wörterbuch d. Naturwissenschaften, 5. Bd., S. 982). Uns aber handelt es sich hier durchaus nicht um eine Kritik der Laplace- schen Kosmogonie, sondern um das Herausheben des in ihr ver- steckt ruhenden Hauptgedankens, die beiden himmlischen Be- wegungsformen der Rotation und des Umlaufs wechselseitig aus einander abzuleiten. Aus der ursprünglichen Rotation des Welt- nebels geht die Umlaufsbewegung in den Ringen hervor und um- gekehrt wird dieses letztere zur Wiege der Planetenrotationen. Indem wir diese halbbewußte Haupttendenz der Laplace schen Kosmogonie durchschauen, kommt uns auch eine verheimlichte Schwäche des Newtonschen Weltsystems zum Bewußtsein. New- ton vermag die zwei astronomischen Bewegungsformen der Rotation und des Umlaufs nicht unter einen ein- heitlichen Gesichtspunkt zu stellen, denn seine Gravi- tationslehre umfaßt nur die Umlaufsbewegungen, nicht aber auch die Rotationen, wo doch gerade diese letz- teren die allgemeinste kosmische Bewegungsform re- präsentieren. Dieser Grundmangel des Newtonismus mußte um jeden Preis verhüllt werden, und die Laplace sche Kosmo- gonie löst diese schwierige taktische Aufgabe in der geistreichen Weise, daß sie die beiden astronomischen Bewegungsformen, die mathematisch nicht auseinander deduzierbar sind, historisch aus- einander herauswickelt. Gleichzeitig findet unsere Behauptung, daß zwischen den bei- den Bewegungsformen des kopernikanischen Systems ein beun- ruhigender Wettstreit besteht, eine sinnfällige Bestätigung. Dieser Wettstreit kommt nämlich in der Laplace schen Kosmogonie zu einem klassischen Ausdruck. Indem sie lehrt, daß im Anfang eine Rotation des Urnebels vorhanden war, verkündet sie den Primat der Rotationsbewegung über die Umlaufsbewegungen; indem sie aber in der zweiten Hälfte des Evolutionsprozesses die Umlaufs- bewegungen in den Ringgebilden umgekehrt zur Mutter der Pla- netenrotationen macht, scheint sie doch geneigt zu sein, die Ro- tation als eine sekundäre, ableitbare Bewegungsform hinzustellen. Den hier versteckt liegenden Widerspruch müssen wir nunmehr klar herausarbeiten. 4. Ursprüngliche Rotation der Weltkörper, ursprüng- liche Bewegungen überhaupt. Im Anfang war ein Nebel und im Nebel war eine Rotation. Dies ist der erste Hauptsatz und zugleich das oberste Prinzip der Laplaceschen Kosmogonie. Dieses Prinzip steht aber, ohne daß