Weltsystem (Fragment). 171 entsteht und ein kühlerer Ring sich von diesem abtrennt. Dieser Vorgang wiederholt sich des öfteren, und es differenzieren sich um die zentrale Sonnenkugel eine ganze Reihe von konzentrischen, mit- einander nicht zusammenhängenden Ringen, deren Teilchen Um- laufsbewegungen um die zentrale Kugel vollziehen. So ist es denn mit großem Geschick erreicht, daß der Urnebel, aus dem das Sonnensystem hervorgegangen sein soll, nunmehr von zwei grundverschiedenen Bewegungsformen beherrscht wird. Während nämlich die zentrale Sonnenkugel nach wie vor nur eine Achsen- drehung besitzt, zeigen sich die getrennten Partikelchen der Ringmaterie von Umlaufsbewegungen um die Sonne ergriffen. Diese letztere Form der himmlischen Bewegungen ist also historisch- genetisch aus der ersteren Form abgeleitet! Nun gilt es aber noch, aus der Reihe von abgetrennten Ringen eine Reihe von Planeten hervorgehen zu lassen. Dies geschieht gewissermaßen durch einen umgekehrten Evolutionsprozeß; denn die Partikelchen der Ring- materie haben bloß Umlaufsbewegungen um den zentralen Sonnenkörper; soll aber aus einem Ring ein Planet entstehen, so muß er auch noch eine eigene Achsendrehung gewinnen. Während also in der ersten Hälfte des Evolutionsprozesses die ursprüngliche Achsendrehung des ganzen Nebelballs die Umlaufsbewegungen in den Ringen aus sich gebar, müssen nunmehr diese letzteren Be- wegungen in der Ringmaterie Achsendrehungen aus sich gebären. Laplace bewerkstelligt dies Kunststück in folgender Weise. Dort, wo zufällig in einem Ring die Materie etwas dichter gedrängt ist, wird sich infolge der Gravitation eine immer stärkere Massen- anhäufung bilden, bis sich schließlich der ganze Ring zu einem kugligen Planetenkörper zusammenballt. Dieser Planetenkörper muß natürlich eine Umlaufsbewegung um die Sonne besitzen, denn er ist ja aus einem Ring hervorgegangen, dessen sämtliche Teilchen Umläufe um die Sonne vollzogen. Aber es mußte sich im Planeten- körper auch eine Achsendrehung entwickeln, weil die Ringteilchen, die dem Sonnenkörper näher lagern, eine größere Umlaufsgeschwin- digkeit besaßen als die entfernteren Teilchen. Die Unterschiede in den Umlaufsgeschwindigkeiten waren es demnach, die eine Wirbelung oder Eigendrehung im Planetenkörper erzeugten. Dies sind beiläufig die Hauptzüge der Laplace schen Kosmogonie. Auf die Entstehung der Monde braucht man nicht weiter zu reflek- tieren, da sie aus dem Planeten ebenso hervorgegangen sein sollen, wie diese aus der Sonne. So allgemeine Zustimmung und so hohes Ansehen diese Welt- entstehungsgeschichte erlangte, so häuften sich doch gerade in den letzten Zeiten die Schwierigkeiten bei Anwendung derselben auf die tatsächlichen und speziellen Verhältnisse unseres Sonnen- systems in solchem Maße, daß sich ein nicht geringer Teil der Fach-