170 Weltsystem (Fragment). siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die oberste Führerrolle in den Naturwissenschaften inne hatte, wie dies aus den ,,Grenzen des Naturerkennens" von E. Dubois Reymond zu ersehen ist. Es ist nun interessant, zu bemerken, daß ein Mathematiker vom Range eines Laplace, für einen Mo- ment unter den Einfluß des phantasievollen Buffon geratend, sich mit diesem ziemlich breit auseinandersetzt und die Unzulänglich- keiten seines Weltentstehungsromans darlegt; zugleich aber die Hauptanregungen desselben adoptiert und sich ernstlich daran macht, eine verbesserte Buffonsche,,Kosmogonie“ zu konstruieren. Zwar wird ihm vor seiner neuen Methode ein wenig bange, und er entschuldigt sich, einen Weg einschlagen zu müssen, wo ihm weder Beobachtung noch Rechnung zur Seite stehen, aber er vermag trotzdem nicht dem unbewußt in ihm schlummernden und jählings erwachenden romantischen Hang zu widerstehen. Offenbar macht er sich nicht klar, daß er plötzlich seine mathematisch-mechanische Methode aufgibt und den evolutionistischen Weg betritt. Er legt sich die Frage nicht vor, ob und wie diese beiden Methoden ver- einbar wären und namentlich, ob die falsche Verbindung derselben nicht die verhängnisvolle Folge haben müßte, daß das Licht der einen Methode durch das der anderen ausgelöscht würde. Solche Fragen erwachen nämlich nur in einem erkenntnis- theoretisch disziplinierten Geiste; ein genialer Naturalist wie Laplace aber folgt, ohne sich selbst zu überwachen, einem plötzlich auftauchenden phantastischen Hange, der mit seinen übrigen Denkgewohnheiten in auffälligem Widerspruch steht. Aber auch über die eigentliche mechanische Endabsicht seiner Kosmogonie versucht sich Laplace keine Rechenschaft abzu- legen. In der Polemik gegen Buffon kommen zwar fünf Neben- motive seiner Hypothesenbildung zum Vorschein, das Haupt- motiv derselben bleibt aber in völliges Dunkel gehüllt, weil der berühmte Autor gerade dies Hauptmotiv sich nicht zum Bewußt- sein brachte. Wir werden also auf das Herausschälen dieser Hauptabsicht ein besonderes Gewicht legen müssen und dementsprechend weniger die Details als vielmehr den ganzen logischen Aufbau der Laplace schen Kosmogonie beleuchten müssen. Laplace geht bekanntlich von einer den ganzen Rauminhalt unseres Sonnensystems erfüllenden Gasmasse aus und schreibt ihr eine Rotation zu; läßt es aber völlig dahingestellt, woher diese Eigendrehung des ungeheuren Nebelballs gekommen sei. Infolge der Gravitation zieht sich der Nebelball zusammen und wird wär- mer; die Wärme nimmt von außen nach innen zu gemäß dem nach innen immer stärker werdenden Druck der äußeren Schichten Die Folge hiervon ist, daß ein rasch rotierender wärmerer Kern