168 Weltsystem (Fragment). für die Schwerkraft mehr schwärmen sollten als für die Schwung- kraft. Nicht wir, sondern die historischen Parteien in der Ge- schichte der Physik erlauben es sich, einer derartigen einseitigen Vorliebe und Schwärmerei zu frönen. Uns leistet dieser Wett- streit nur den Dienst eines didaktischen Mittels, um auf die Tat- sache hinzuweisen, daß wir kein einheitliches kosmisches System, keine einheitliche Himmelsmechanik besitzen, da weder die Umlaufsbewegungen der Planeten aus der Eigen- drehung der Weltkörper noch umgekehrt diese aus jener, d. h. weder die Schwerkraft aus der Schwungkraft noch die Schwung- kraft aus der Schwerkraft abgeleitet werden kann. Es herrscht in dem Aufbau des mechanischen Weltsystems ein Dualismus der schlimmsten Sorte: man geht nämlich von zwei Grundkräften aus, deren innerer Zusammenhang gänzlich unbekannt ist, ja, was noch weit verhängnisvoller ist, man verheimlicht diese unsere funda- mentale Unwissenheit, indem man sich den Anschein gibt, als ob die himmlischen Bewegungen aus der alleinigen Schwerkraft er- klärbar wären. Es ist also der erste Schritt, den wir in der philo- sophischen Kritik unseres herrschenden mechanischen Welt- systems machen müssen, daß wir auf die Jahrhunderte alte ent- setzliche Parteisucht der Forscher Newtonscher und Descartes- Huygensscher Richtung hinweisen und die völlig unvermittelte Zweiheit und Zwiespältigkeit der dem herrschenden System zu- grunde liegenden Himmelskräfte aufdecken. Damit von einem einheitlichen mechanischen Weltsystem die Rede sein könne, müßte vor allem gezeigt werden, daß die Schwerkraft nicht ohne eine Schwungkraft und diese nicht ohne jene bestehen könne, d. h. daß über die beiden Kräfte irgendein Korrelationsprinzip herrsche, demzufolge sie einander wechsel- seitig bedingen oder voraussetzen. Von der Lösung dieser Aufgabe sind wir aber derzeit noch schier unendlich weit entfernt, weil die Aufgabe selbst bislang noch nicht formuliert wurde. Sie setzt natürlich voraus, daß der Kraftbegriff der Newtonschen Mechanik einer gründlichen Revision unterworfen werde, weil es sonst nicht abzusehen ist, wie so eine Korrelation zwischen Schwerkraft und Schwungkraft entdeckt werden könnte. Man könnte gegen dieses Streben einwenden, daß der Physiker sich damit zufrieden geben könne, Schwerkraft und Schwung- kraft friedlich nebeneinander wirken zu lassen, so wie es in der mathematisch wohl ausgebauten Himmelsmechanik tatsächlich geschieht, und daß nur die Philosophen ein Bedürfnis empfinden, den sogenannten inneren Zusammenhang zwischen den beiden Grundkräften verstehen zu lernen. Wer aber so denkt und spricht, beweist mir, daß er sich mit der Entwicklungsgeschichte der Himmelsmechanik nicht befaßt hat. Die berühmten Vertreter