Weltsystem (Fragment). 161 ein Stern sein kann, der eine autonome Eigendrehung besitzt, so daß diese Drehung zu seinem unverlierbaren Wesen gehört. Auch sagt man es nicht ausdrücklich, daß dieser Satz der universellste ist, den die astronomische Wissenschaft überhaupt kennt, und daß er demzufolge als der erste Fundamentalsatz unserer Kosmologie bezeichnet werden muß. Nun hat aber eine Erkenntnis, so all- gemein sie auch zugegeben sein mag, so lange keinen philosophi- schen Charakter, bis sie nicht in ein einheitliches System von Er- kenntnissen eingefügt, d. h. ihrer Bedeutung und Tragweite nach nicht erfaßt ist. Wir werden also untersuchen müssen, warum das Prinzip der Eigenrotation aller eigentlichen Weltkörper zwar an- erkannt, aber trotzdem stillschweigend in den Schatten gestellt wird? Diese Frage soll uns zu einer Kritik und Umgestaltung des gegenwärtig herrschenden Weltsystems führen. 2. Der erste Fundamentalsatz der Astronomie. Die zwei Hauptsätze des kopernikanischen Weltsystems: a) der Satz von der Achsendrehung oder Eigenrotation der Erde, b) der Satz vom Umlauf der Erde um die Sonne stehen in einem eigentümlichen Wettstreit miteinander, demzufolge ein jeder dieser Sätze den ersten Rang für sich in Anspruch nimmt. Der Name ,,heliozentrisches System" weist aber unzweifelhaft darauf hin, daß im allgemeinen Bewußtsein wie auch in der Auffassung der Astronomen dem Satze b) ein höherer Rang zuerkannt wird. Das eigentliche Wesen des kopernikanischen Weltsystems soll hiernach darin bestehen, daß es das naive-scheinbare Verhältnis von Erde und Sonne direkt umkehrt, gleichsam auf den Kopf stellt. Nicht die Sonne läuft im Kreise um die Erde, sondern um- gekehrt, die Erde ist es, die einen solchen Umlauf um die Sonne vollzieht. Dies soll der eigentliche Kern des kopernikanischen Systems sein: wohingegen der Satz a) von der Eigenrotation der Erde zwar auch ein fundamentales Postulat des Weltsystems dar- stellt, aber doch nur in zweiter Linie betont wird. Auch die In- schrift auf dem Denkmal des Kopernikus zu Thorn:,,Nicolaus Copernicus, Terrae Motor, Solis Caelique Stator" bringt die gleiche Rangschätzung zum Ausdruck. Sie feiert den großen Mann als denjenigen, der die Erde zur Bewegung, die Sonne und den Himmel hingegen zum Stillstand gebracht hat. Uns scheint es aber, daß es etwas Größeres ist, den ganzen Himmel als bloß die Sonne, die nur ein Punkt des Himmels ist, zum Stillstand zu bringen. So lapidar und großartig auch die Inschrift abgefaßt ist, so sollte es doch umgekehrt in ihr heißen: Caeli Solisque Stator. Der Still- stand des Himmels muß dem Stillstand der Sonne vorausgehen. Es scheint dies nur eine ganz unwesentliche Umkehrung der Wort- folge zu involvieren, aber wir werden uns im Verlaufe unserer Palágyi, Weltmechanik. 11