160 Weltsystem (Fragment). Planet ist, der eine solche Unveränderlichkeit vieler auf ihm sicht- barer Flecke darbietet, daß seine Umdrehungszeit um die eigene Achse mit einer Präzision bis auf Hundertstelsekunden bestimmt werden konnte. Sie beträgt: 24 Stunden, 37 Minuten, 22,7 Sekun- den. Bei den entfernteren Planeten Jupiter und Saturn muß man sich jedoch mit einer geringeren Genauigkeit begnügen, vor allem aus dem Grunde, weil die auf ihrer Scheibe sichtbaren Flecke geringere Konstanz zeigen und außer der Drehbewegung des Pla- neten noch mit einer Eigenbewegung behaftet sein dürften. Für den Jupiter schwanken die Bestimmungen der Rotationsdauer zwischen 9 Uhr 50 Min. und 9 Uhr 56 Min. Für den Saturn zwischen 10 Uhr 14 Min. und 10 Uhr 38 Min. Es läßt sich übrigens bei die- sem Planeten (wie auch bei Jupiter) nicht entscheiden, ob seine gewonnene Umdrehungszeit die wahre ist, da der beobachtete Fleck, wenn er sich etwa in höheren Schichten der Atmosphäre des Planeten befand, eine Eigenbewegung haben konnte. - Auf dem Uranus konnten bis jetzt Streifen und Flecke noch nicht mit Sicherheit gesehen werden, aber eine Berechnung, die sich auf seine Abplattung usw. stützt, ergab ungefähr eine Rotationszeit von elf Stunden, und diese Dauer wurde durch neuere spektro- graphische Untersuchungen so ziemlich bestätigt. Die Rotations- dauer des Uranus hätte auf Grund der letzteren einen Betrag von 10 Stunden. Je weiter ein Planet von der Sonne liegt, desto schwächer ist er beleuchtet, und je weiter er von der Erde liegt, desto kleiner erscheint er: so ist es denn nicht zu verwundern, daß die topographische Untersuchung Neptuns, des äußersten Pla- neten unseres Sonnensystems, da seine Scheibe nur eine Winkel- weite von 22" zeigt, auch in kräftigsten Instrumenten und bei günstigster Witterung keine Einzelheiten und besondere Merkmale erkennen läßt, so daß an eine Bestimmung der Rotationsdauer dieses Planeten derzeit noch nicht zu denken ist. Am interessan- testen gestaltet sich das Problem der Rotationsdauer in bezug auf die inneren Planeten, Merkur und Venus, die der Sonne zu- nächst stehen: denn bei diesen muß das Höchste an vorsichtiger und geschickter Beobachtungskunst geleistet werden. Trotzdem sind die zu überwindenden Schwierigkeiten so enorm, daß noch zwei Parteien um eine sehr lange und eine kurze Rotationszeit mit- einander im Streite liegen. Was aber durchaus nicht strittig sein kann, das ist die Tatsache, daß alle Planeten eine Eigendrehung besitzen, mag diese welche Dauer immer in Anspruch nehmen. Und das gleiche gilt als fundamentales Postulat unseres astrono- mischen Denkens von allen Sternen des Himmels überhaupt. Obzwar dieser Satz von jedem Astronomen zugegeben wird, pflegt man ihn leider nicht an die Spitze aller astronomischen Erkenntnis zu stellen. Man erklärt nicht direkt, daß nur ein solcher Körper