150 Alte und neue Atomistik. in allen Richtungen, in allen drei Dimensionen des Weltraumes statt, so daß unser atomistisches Ab und Auf nur eine symbolische Richtung und Gegenrichtung bedeutet. Schon diese einfachen Grund vorstellungen zeigen, daß die neuere Atomistik fast nur dem Namen nach mit der antiken Lehre des Leukippos und Demokritos zusammenhängt. Die Philosophen von Abdera hatten allerdings als letzte Baubestandteile der ma- teriellen Welt die unsichtbaren,,Atome" erschaut, sie faßten also die Materie als ursprünglich geteilt (als diskret, diskontinuierlich) auf, aber so hoch auch diese geistige Tat eingeschätzt werden mag, so hat sie doch einen vorwiegend destruktiven Charakter, was besonders daraus zu ersehen ist, daß das abderistische Atom eine isolierte Vorstellung bleibt und sich zu keinem Stufenbegriff ausgestaltet. Ohne Stufenbegriffe kann aber eine eigentliche Ato- mistik nicht bestehen, da es ihr an der Möglichkeit gebricht, neben dem Begriff des Abbaus auch den polaren Begriff des Aufbaues deutlich zu fassen: auf diesen fundamentalen Gegensatz kommt es aber in der Atomistik wie in aller Philosophie recht eigentlich an. Was ein realer Gegensatz ist, das kann durch nichts in der Welt so erläutert werden als durch Ab- und Aufbau. (Destruktion und Konstruktion, Analyse und Synthese, Zerstören und schöpferisch tätig sein!) Weil alle Weltauffassungen darin auseinandergehen, ob sie destruktiven oder schöpferischen Geistes sind, legen wir ein besonderes Gewicht darauf, den „,symmetrischen" Gegensatz von dem,,asymmetrischen" wohl zu unterscheiden. Als Beispiele für den symmetrischen Gegensatz können dienen: Die Konkavität und Konvexität, die Schrift und die Spiegelschrift, das Rechts- drehen und das Linksdrehen. Der Typus des asymmetrischen Gegen- satzes hingegen ist der Abbau und der Aufbau. Die Zusammen- setzung von Atomen zu Molekülen und dieser zu noch höheren Stufengebilden ist etwas unvergleichlich anderes als das Zerreißen der höheren Gebilde und das Hinabsteigen zu den einfacheren Bestandteilen. Gewiß sind Ab- und Aufbau relativ zueinander Gegensätze, aber sie sind zugleich für sich betrachtet von solcher qualitativen Verschiedenheit, daß sie niemals als blasse spiegel- bildliche Gegensätze hingestellt werden können. Der Relativist und der einseitige Mathematiker tragen aber in ihre Natur- betrachtung oft auch unbewußt ein Symmetrieprinzip hinein, wo- durch ihnen alle Gegensätze symmetrisch, also auch der Abbau und Aufbau, spiegelbildlich und gleichwertig werden können, wo- durch der Naturprozeß wie auch das menschliche Denken um jeden Sinn gebracht wird. Deshalb legten wir - vom polaristischen Standpunkt ausgehend - schon in unseren vorausgehenden Auf- sätzen ein besonderes Gewicht darauf, zu zeigen, daß die positive und negative Elektrizität reale Gegensätze sind und nicht spiegel-