Das Weltbild der neuen Physik. 145 pirische Grundlage gewonnen, die ihr zur Zeit Faradays und Max- wells noch mangelte. Es zeigte sich zugleich, daß der Gegensatz der beiden Elektrizitäten eigentlich in der polaren Natur von Äther und Materie verwurzelt ist. Denn während die Fortbildung der positiven Elektrizität ohne Mithilfe der Materie eine Unmöglichkeit ist, kann die negative Elektrizität dieser Mithilfe eventuell entraten und durch den bloßen Äther fortgeleitet werden. Dies ist die einfachste Formel für das Polari- tätsprinzip von Äther und Materie, das der ganzen Physik zugrunde liegt. Da solchermaßen die prinzipielle Grundlage unseres physika- lischen Weltbildes fixiert ist, könnten wir hiermit unsere diesmalige Betrachtung abschließen, es drängt uns jedoch, an das gewonnene Prinzip noch einige vorgreifende Bemerkungen zu knüpfen. Geahnt, vermutet hat man den Äther von jeher, und er ist seit Huygens, Young, Euler und Fresnel hypothetisch mit großem mathema- tischen und experimentellen Geschick zur Erklärung der Licht- erscheinungen verwertet worden. Den Existenzialbeweis für den Äther erbracht, ihn im eigentlichen Sinne des Wortes entdeckt zu haben, ist aber der Ruhmestitel der neuen Elektrik. Das Ex- periment hat es mit aller nur möglichen Direktheit dargetan, daß das angebliche Vakuum von einem Substrat erfüllt ist, welches auf die positive Elektrizität anders reagiert als auf die negative. Man drückt dieses experimentelle Ergebnis vielleicht am schärfsten. in astronomischer (makrokosmischer) Form aus, wenn man sagt, daß der elektrische Strom als solcher die Weltkörper nicht mit- einander zu verbinden vermag, weil der interstellare (d. i. der reine) Äther den elektrischen Strom zersetzt, und nur der negativen, nicht aber auch der positiven Elektrizität den Durchgang gestattet. Die neue Elektrizitätslehre ist seitdem in der Lage, den Bau und die Eigenschaften des Weltäthers ebenso zu erforschen wie den der Materie. Dadurch sind zwei polare Arten von Atomistik entstanden und im Ausbau begriffen, von denen die ältere sich auf die Materie, die jüngere hingegen auf den Weltäther bezieht. Was man heutzutage ,,Elektronentheorie" nennt, ist aus der relativisti- schen Verwirrung der zwei Elektrizitäten und der zwei polaren Substrate (Äther und Materie) hervorgegangen. Wir werden statt von Elektronen von,, ätherischen Atomen" sprechen und eine atomistische Theorie des Weltäthers auszubauen versuchen. Doch sind die ätherischen Atome nicht materieller Art und stehen zu den Elektronen in einem polaren Verhältnis. Dies ist die eine Be- merkung. Mit der anderen Bemerkung wollen wir schon jetzt betonen, daß der Äther zwar auf dem elektrischen Wege entdeckt wurde, aber auch auf einem anderen Wege erschlossen werden kann. Es gibt eine Art von Gegensätzen oder Polaritäten im Natur- Palágyi, Weltmechanik. 10