Galilei und das Übertragungsprinzip. 125 übertragen würde, aber der wirkliche Vorgang besteht da- rin, daß die Bewegung der ersten Masse sich in Impulse des Binnen äthers umsetzt, und diese Impulse weiterhin, wenigstens zum Teil, als Bewegung der zweiten Masse zum Vorschein kommen. Durch diese Auffassung wird das relativistische Denken, das doch im letzten Grunde auf einer zwischen Materie und Materie beste- henden vermeintlichen Wechselwirkung beruht, ein für allemal aus der physikalischen Forschung ausgeschaltet. Die Hauptschwierigkeit einer Wechselwirkungslehre zwischen Äther und Materie wurzelt vornehmlich in dem Umstande, daß sie nicht nur die Annahme von zwei polaren Substraten, sondern auch die Annahme von zwei polaren Typen des Naturgeschehens erforderlich macht. Soll nämlich der Weltäther der Träger aller Antriebe oder Impulse sein, so müssen sich diese in ihm „fort- pflanzen" können, auch müssen diese Fortpflanzungen (Ausbrei- tungen, Übertragungen, Strahlungen, Energietransporte) einen von der Bewegung grundverschiedenen Charakter haben. Denn alle Arten von ätherischen Impulsen haben einen bloß potentiellen Charakter und stellen dementsprechend bloß einen ätherischen Drang dar, können sich also nicht selbst fortbewegen, son- dern nur an der Materie als Bewegung in die Erscheinung treten. So ist es also wohl begreiflich, daß die Übertragung oder Fort- pflanzung von Impulsen stets eines der größten Naturgeheimnisse bleiben mußte. Dementsprechend haben wir uns leider die üble Denkgewohnheit angeeignet, alles Naturgeschehen als bloßen,,Be- wegungsvorgang" aufzufassen, weil uns Bewegungsvorgänge an- schaulich ganz besonders vertraut sind, und weil wir eine willens- absichtliche Änderung im Naturlauf auf keine andere Weise hervor- zubringen vermögen, als daß wir eine selbstproduzierte Bewe- gung in den Naturprozeß hineinspielen lassen. Dadurch gewinnt die Bewegung eine ganz aparte, einzigartige praktische Bedeutung für unsere ganze Naturauffassung. Denn da wir willensabsicht- liche Änderungen jeder Art (wie z. B. Temperaturänderungen, Lichteffekte usw.) dem Naturprozeß nur vermittels Eigenbewe- gungen aufzwingen können, erscheint uns die Bewegung leicht als der Universalschlüssel zu allem, was in der Natur vor sich geht, so daß wir uns in der einseitigen Neigung bestärken, alle Naturvorgänge auf Bewegung,,zurückzuführen", und dies um so mehr, weil es für unsere Einbildung (Vorstellung) kein anschau- licheres Ereignis als die Bewegung geben kann. Es wird sich uns also vor allem darum handeln, mit diesem großen Vorurteil, das den Fortschritt der Physik in unermeßlicher Weise schädigt, end- gültig aufzuräumen. Wie sollen wir uns aber die Übertragung ätherischer Impulse von einem Ort zum anderen vorstellen, da doch diese Vorgänge