Galilei und das Übertragungsprinzip. 11:5 Unter allen Naturforschern war Galilei der erste, der inner- halb eines jeden Bewegungsvorganges den Übertragungsvorgang erschaute und zeit seines Lebens die beiden Grundtypen des Naturgeschehens voneinander zu scheiden bemüht war. Darauf beruht seine Größe und Einzigkeit. Er blickte auf den bewegten Körper hin und sah in demselben - was niemand vor ihm gesehen hatte: ein Vehikel. Alle Teile, aus denen der Körper bestand, wur- den zu Insassen eines bewegten Fahrzeuges: sie ruhten gleichsam innerhalb des bewegten Ganzen, und die Bewegung dieses Ganzen war auf sämtliche Teile nur übertragen. Auf solche Weise entdeckte Galilei den im Bewegungsvorgange geheimnisvoll eingeschach- telten Übertragungsvorgang. Er hatte zwei grundverschiedene Aspekte von der Bewegung gewonnen: einmal versetzte er sich in das Innere des bewegten Körpers, da löste sich ihm der Körper in die bloße Summe seiner Teile auf, und alle diese Teile ruhten als träge Materie innerhalb des bewegten Ganzen (Relativitäts- gedanke!), so daß die ganze Bewegung sich nur als Übertragungs- geschehnis auf die sämtlichen Körperteile präsentierte. Das andere Mal stieg er aus dem Innern des bewegten Körpers heraus: da ver- schwanden vor seinem Blick alle Teile, aus denen der Körper be- steht, und es zeigte sich ihm nur noch das Ganze selbst, das System, in seiner eigentlichen Bewegtheit. Kurz, Galilei war zu einer Doppelansicht des Bewegungsgeschehens gelangt, zu einer inneren. Ansicht, wo sich die Bewegung in bloße Übertragung auflöste, und zu einer äußeren Ansicht, wo die Übertragung zerrann und nur der alltägliche Anblick des eigentlichen Bewegungsereignisses zurückblieb. Die zwei Anblicke lagen in einem seltsamen Widerstreit miteinander und suchten einander wechselseitig zu vernichten. Bald schien es, als ob es nur Übertragungsvorgänge gäbe, bald zerflossen diese ins nichts, und es blieben nur eigent- liche Bewegungsvorgänge übrig. Der schöpferische Geist Galileis war während seiner ganzen Lebensarbeit von dem furchtbaren inneren Widerstreit dieser beiden Aspekte durchflutet, und er ver- dankt seine schönsten Entdeckungen jener wunderbaren Be- sonnenheit, derzufolge er den Widerstreit nicht in intoleranter Weise zugunsten des einen oder des anderen Aspektes entschied, sondern beide Ansichten so weit nur seine Kraft reichte ihrem unverjährlichen Rechte kommen ließ.,,Endgültig gelöst“ hat er freilich den gewaltigen Widerstreit der beiden Bewegungs- aspekte nicht, ja dieser Widerstreit hat sich wie dies nicht an- ders kommen konnte auf die folgenden Jahrhunderte vererbt, so daß aus ihm der grandiose Kampf zwischen Bewegungsphysik (Mechanik) und Übertragungsphysik (Ätherphysik) entstanden ist, der in unseren Tagen in Gestalt des unglücklichen Relativitäts- streites zum Durchbruch kam. zu - ―- - 8*