112 Kopernikus und die Relativitätstheorie. Bewegung summieren, und die Dinge würden dann mit Wucht gegen die Schiffswand nach vorne fliegen oder gar aus dem Schiff herausfliegen! Ist also die Schiffsgeschwindigkeit einmal über- tragen, dann haben die scheinbar ruhenden Dinge im Schiffsraume prinzipiell nur eine Trägheitsbewegung. Sie verzeihen, erwidert der erste, ich habe niemals davon gehört, daß die Physiker die ruhenden Dinge im Schiffe als in Trägheitsbewegung befindlich auf- fassen würden, denn dann wäre ja die Trägheitsbewegung die reinste Erfahrungstatsache, die an jedem Fahrzeug kinderleicht vor- demonstriert werden könnte, während doch die meisten Physiker der Ansicht sind, daß ein direkter empirischer Beweis des Träg- heitsprinzips eine Unmöglichkeit sei. Aber hiervon ganz abgesehen, kann ich nicht daran glauben, daß die Schiffsgeschwindigkeit sich nicht immer von neuem auf die Dinge im Schiff übertrüge, denn zum Beweis verlieren die Dinge ihre Geschwindigkeit, sobald das Schiff in seiner Fahrt innehält. Ja, entgegnet der zweite, gerade das Verhalten der Dinge beim Stillstand des Schiffes liefert einen neuen Beweis des Trägheitsprinzips, denn sie würden ihre Träg- heitsbewegung fortsetzen, wenn sie durch Widerstände nicht be- hindert wären. Tatsächlich ist man beim Stillstand des Schiffes in Gefahr nach vorwärts zu fallen, da die Trägheitsbewegung des Oberleibes sich noch fortsetzt, während die Sohlen schon zum Stillstand gebracht sind. - Wir haben dieses Zwiegespräch (ein wenig nach Modellen) konstruiert, um die Denkverwirrung zu kennzeichnen, in der man sich über die alltäglichste Tatsache des Mitgenommen werdens durch ein Fahrzeug seit Jahrhunderten befindet. Die Personen A und B sollen diese Verwirrung von zwei verschiedenen Seiten darstellen. Was die Person A betrifft, so verkörpert sie die Verwechslung des Objektiven mit dem Subjektiven, der Bewegung mit der Be- wegungswahrnehmung, deshalb meint sie, wenn sie das Wunder- wort,,relativ" ausspricht, mit einemmal alles in der Welt erklärt zu haben. Sie macht uns in aller Unschuld darauf aufmerksam, daß das,,Relativitätsprinzip" fortwährend darauf ausgeht, ob- jektive Grundgesetze der Bewegung zu verschlucken, um sich ver- mittels dieser seltsamen Methode irgendeinen objektiven Inhalt einverleiben zu können. Diesmal hätte das Relativitätsprinzip ohne Umschweife das Trägheitsprinzip verschluckt, wenn dem nicht die Person B entgegengetreten wäre. Diese bekundet zwar einige Überlegenheit in der Unterscheidung von Objektiv und Sub- jektiv, dafür ist sie aber in eine um so schlimmere Verwechs- lung von Bewegung und Bewegungsübertragung verstrickt. Sie verschleiert vollständig den Übergangsvorgang, indem sie die Idee der Trägheitsbewegung an ihre Stelle rückt. Sie reduziert mit eigentümlicher Einseitigkeit den Übertragungs-