Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. 73 Relativitätsprinzip der Mechanik" fordert. Allerdings wird auf den verschiedenen Stufen der dynamischen Leiter der Schein entstehen, als ob die einzelnen Bewegungsstufen voneinander unabhängig wären, aber die genauere Beobachtung wird diesen Schein immer wieder entlarven. Es ist z. B. ein ganz oberfläch- licher Schein, daß die Bewegungen innerhalb des Schiffsraumes unabhängig von der Gesamtbewegung des Schiffskörpers ver- laufen: im Gegenteil wird die feinere Beobachtung darlegen, daß keine einzige noch so geringfügige Bewegung im Schiffsraume statt- finden kann, ohne daß sie ganz bestimmte (wenn auch oft nicht leicht feststellbare) Abänderungen ihres Charakters durch die Schiffsbewegung erfahren würde. Die Ähnlichkeiten aber, die zwischen den Vorgängen im Schiffsraume und denjenigen auf dem trockenen Lande bestehen, entspringen wie gesagt aus dem Umstande, daß alle Bewegungen im Schiffsraume, wie die des Schiffes selbst, eingeschaltet sind in die Kollektivbewegungen eines höheren Systems, nämlich der Muttererde. Aufgabe der Relati- vitätstheorie muß es dementsprechend sein, die Zusammenhänge und Abhängigkeiten aller Bewegungsstufen zu erforschen, von den niedersten Singulärbewegungen der materiellen Punkte durch alle Stufen der Kollektivbewegung hindurch bis hinauf zu den Kollek- tivbewegungen der gesamten Weltmaterie, welche freilich nur symbolischen Charakter haben, d. h. in der vierten Dimension verlaufen. Wenigstens ist dies das Ideal einer Bewegungslehre, dem die heutige Physik entgegenstrebt. Der erste Schritt aber, den wir auf dem Wege zur Verwirk- lichung dieses Ideals machen müssen, ist die Formulierung des Satzes, daß singuläre Bewegungen der materiellen Punkte und Kollektivbewegungen, in welche sie zusammen- gefaßt erscheinen, artverschiedene Vorgänge sind, die niemals aufeinander zurückgeführt werden können. Wir wollen diesen wichtigen Satz das Kollektivitätsprinzip¹) der Mechanik und der Physik überhaupt nennen. Im Sinne des- selben ist es unmöglich, daß die Singulärbewegungen der ma- teriellen Punkte m₁, m₂ . . . usw. irgendeines Systems durch irgend- eine Art von Addition aus sich heraus als Resultante eine Kol- lektivbewegung erzeugen. Oder kürzer: Singulärbewegungen und Kollektivbewegungen verhalten sich niemals wie Komponenten und Resultanten zueinander. Eine Resultante kann nämlich die Gesamtheit der Komponenten, aus welchen sie hervorgeht, völlig --- ―――― ― ¹) Wir schlagen den Forschern vor, statt des Ausdrucks „Relativitäts- prinzip" den die Kernfrage treffenden Terminus „Kollektivitätsprinzip" zu ge- brauchen. Die Kollektivbewegungen verschiedener Stufen zeigen wie man sieht eine gewisse Selbständigkeit einander gegenüber, aber sie sind nicht unabhängig voneinander. ――――