Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. 67 in ihre gleichförmig gegeneinander bewegten Systeme gebannt, keine Auffassung von verschiedenen Raumrichtungen, die einen Winkel miteinander bilden, gewinnen. Wesen, die auf gleich- förmig gegeneinander bewegten materiellen Systemen wohnen würden, könnten sich zu keiner Raumans chau- ung und keinem Raumbegriff aufschwingen. Wenig- stens, wenn die Einwohner des Systems S auf ihren Himmel hin- blicken und dort das gleichförmig sich entfernende System S' wahrnehmen würden, könnten sie gar nicht auf die Idee geraten, daß die beiden Systeme unter einem beliebigen Winkel g gegen- einander gleichförmig gleiten, denn sie hätten mit Hinblick auf ihren Himmel nur die Vorstellung von einer Translation in gerader Linie. Es würde ihnen auch nichts nützen, wenn sie auch noch auf ein anderes materielles System hinblicken könnten, das sich in gleichförmiger Translation etwa mit der Geschwindigkeit V gegen das System S befände. Denn sie würden sich S" gegenüber genau so verhalten wie gegenüber S', d. h. sie könnten nichts darüber entscheiden und wohl auch nichts davon ahnen, unter welchen Winkelmöglichkeiten S" sich gegen S bewegt. Daraus folgt, daß sie auch nichts von dem Winkel wissen könnten, den die Bahn von S" zu S' bildet. Sie hätten überhaupt keine Winkelanschauung, kein Richtungsurteil, keinen Raumbegriff. Eine Welt, in der sich die Dinge gleichförmig-geradlinig gegeneinander bewegen würden, ist eine unausdenkbare, absurde Welt, die eben deshalb auch keine Raumanschauung aufkommen ließe. All dies leuchtet übrigens von vornherein ein, wenn man bedenkt, daß gleichförmig gegeneinander bewegte Körper absolut außer Beziehung zueinander stünden und demzufolge nicht einer und derselben Welt angehören könnten. Man zertrümmert die Einheitlichkeit der physischen Welt, wenn man in ihr gleichförmige Translationen annimmt, und man setzt durch solche Translation eine neue, von den vorigen absolut un- abhängige Welt. Es hat also keinen Sinn, ein materielles System S auf ein anderes materielles System S' so zu beziehen, daß das eine gegen das andere eine gleichförmige Translation besitze, wie dies die modernen Relativtheoretiker tun. (Siehe die gediegene Ab- handlung über das Relativitätsprinzip von Chwolson:,,Lehrbuch der Physik" IV, wo der ausgezeichnete Verfasser sich vergeblich bemüht, die gleichförmige Translation von S relativ zu S' begreif- lich zu machen.) Die Unmöglichkeit dieser ganzen Konzeption kommt schon darin zu einem höchst eklatanten Ausdruck, daß man die Systeme S und S' für einen Augenblick t = 0 zusammen- fallen lassen muß, um ihre Einheitlichkeit und Zusammengehörig- keit, wie auch einen möglichen Verkehr zwischen ihnen zu retten. Daß zwei materielle Systeme aber nicht zusammenfallen können, braucht wohl nicht gesagt zu werden; offenbar will man bloß an - 5*