Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. 49 lativitätstheorie tut. Nur hätte diese gleich damit beginnen sollen, die reale Unmöglichkeit aller gleichförmigen Translationen im dreidimensionalen Raume zu statuieren und dadurch dieses reine Gedankengespenst endgültig aus der Reihe der realen physika- lischen Vorgänge zu tilgen. Statt dessen hat sie aber dieses Ge- spenst zur realen Herrin über die Gesamtheit der physikalischen Vorgänge erhoben und eine grenzenlose Verwirrung der funda- mentalsten Begriffe unserer Naturanschauung heraufbeschworen. Die gleichförmige Translation der Materie muß in die vierte Di- mension verbannt werden, wo sie nicht nur aufhört, unser reales Weltbild zu verwirren, sondern im Gegenteil zur symbolisch-nor- mativen Grundlage unserer Naturauffassung dienen kann. Allerdings können sich ätherische Erregungen (wie z. B. die Lichtstrahlen) nach allen Richtungen des dreidimensionalen Rau- mes in gerader Linie mit gleichförmiger Geschwindigkeit fort- pflanzen, aber so höchst interessant auch diese Fortpflanzungen sein mögen, so müssen wir doch von ihnen für den Augenblick ganz absehen, weil wir zunächst durchaus nur Mechanik treiben und nur von Bewegungen der Materie handeln. Es werden sich jedoch Physiker finden, welche behaupten, daß Gleichförmigkeit und Geradlinigkeit nicht nur der Fortpflanzung ätherischer Er- regungen zukomme, sondern daß sie auch an eigentlichen mecha- nischen Bewegungen der Materie erfahrungsgemäß festgestellt werden können. Man brauche hierbei nicht an die sogenannte ,,Trägheitsbewegung" der Körper zu denken, denn diese sei wirk- lich bloß ein Gedankengespenst, weil ein Körper niemals völlig sich selbst überlassen ist, wie dies das,,Trägheitsprinzip" fordert. Die Erfahrung zeige aber, daß beschleunigte Bewegungen, die in Widerstand leistenden Mitteln, wie Luft, Wasser usw., stattfinden, in gleichförmige Translationen übergehen können. Die verschie- densten terrestrischen, nautischen und aviatischen Fahrzeuge liefern hierfür allbekannte Beispiele. Da nämlich mit wachsender Geschwindigkeit des bewegten Körpers auch der Widerstand des Mediums wächst, heben sich schließlich die Beschleunigung des ersteren und die Gegenbeschleunigung des letzteren in jedem Augenblick auf, so daß eine gleichförmige Translation zustande kommt. Freilich sind die äußeren Umstände im Raume immer etwas ungleichartig und wechselnd, so daß die erfahrungsmäßigen gleichförmigen Translationen niemals mit absoluter Genauigkeit in gerader Linie und mit konstanter Geschwindigkeit stattfinden können, aber es käme auf eine solche absolute Genauigkeit gar nicht an, weil sie, selbst wenn sie stattfände, zufolge der Unzu- länglichkeit aller menschlichen Messungsmethoden nicht kon- statiert werden könnte. Da also gleichförmige Translationen approximativ mit sehr großer Genauigkeit hergestellt werden Palágyi, Weltmechanik. 4