46 Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. im dreidimensionalen Raume besitze, denn wäre dies möglich, dann könnte die Raumrichtung x, in welcher eine solche Kol- lektivbewegung stattfindet, als die Zeitachse gelten, die Zeit- achse aber als eine Raumrichtung im dreidimensionalen Raume aufgefaßt werden. Aus demselben Grunde kann auch die Gesamtheit der materiellen Welt keine gleichförmig- geradlinige Bewegung im dreidimensionalen Raume besitzen. Wir können diesem ersten Fundamentalsatz der Mechanik auch eine positive Form geben. Denn sind wir auch einerseits gezwungen, die gleichförmig-geradlinige Bewegung im drei- dimensionalen Raum einem jeden materiellen Punkte wie auch jedem Körper und schließlich der Gesamtheit der Materie abzusprechen, so sehen wir uns andererseits genötigt, der Gesamtheit der Materie, mithin auch jedem ihrer Punkte, aller- dings nur längs der vierten Dimension, eine gleichförmig- geradlinige Bewegungskomponente zuzuerkennen. Freilich ist dies keine,,Bewegung" im eigentlichen Sinne des Wortes mehr, denn als eigentliche Bewegung betrachten wir durchaus nur die Orts- veränderung der Materie im dreidimensionalen Raume. Ich werde die Bewegung der Materie in der vierten Dimension als sinnbild- liche (symbolische) Bewegung bezeichnen, weil ich den Ausdruck ,,imaginär", der Mißverständnisse erwecken kann, vermeiden möchte. Die gesamte Weltmaterie besitzt also eine sinnbildliche, gleichförmig-geradlinige Bewegung in der vierten Dimension, und diese ist es ja, die unserer alltäglichen Auffassung als der „,zeit- liche Fluß" alles Geschehens erscheint. Wir können demnach den ersten Fundamentalsatz der Me- chanik in der folgenden positiven Form aussprechen: Es gibt nur eine einzige, allerdings bloß sinnbildliche, gleich- förmig-geradlinige Bewegung in unserer Welt, und diese ist eine Kollektivbewegung, welche der gesamten Weltmaterie längs der Zeitachse (oder im Longitudinal- raume) zukommt. Man sieht, daß gleich dieser erste Satz, den wir auf Grundlage der Einheitslehre von Raum und Zeit gewinnen, einen ausgesprochenen weltmechanischen Charakter zeigt, da er sich direkt auf die Gesamtmaterie unserer Welt bezieht. Auch eröffnet er einen neuen Einblick in das Geheimnis des Zeitstromes. Während nämlich alle Einzelbewegungen von materiellen Punk- ten, Körpern oder Körpersystemen im dreidimensionalen Raume not- wendig einen ungleichförmigen Chrarakter zeigen, so haben sie doch alle teil an einer sie alle umfassenden und ordnenden wenn auch nur sinnbildlichen -- Kollektivbewegung, die durch ihren gleichförmigen Charakter ausgezeichnet ist und die deshalb für sie alle eine normative Bedeutung gewinnt. Diese Kollektivbewe- -