32 Neue Theorie des Raumes und der Zeit. eignet, den Unterschied zwischen Ruhe und Bewegung in ein helles Licht zu setzen. Wir sind in der wirklichen Wahrnehmung ge- zwungen, gewisse sinnliche Erscheinungen (Körper) als ruhend, andere hingegen im Vergleiche zu den ruhenden als bewegt auf- zufassen. Nunmehr dürfen wir sagen, daß die ruhenden Erschei- nungen die allgemeine Zeitachse unserer sinnlichen Wahrnehmung festlegen, während den bewegten Erscheinungen spezifische Zeit- achsen zukommen, die von der allgemeinen abweichen, d. h. mit ihnen einen Winkel bilden, dessen Tangente das Maß der Bewe- gungsgeschwindigkeit liefert. Wir können schließlich unserem Bewußtsein selbst eine Zeit- achse zuschreiben, womit ich meine, daß jene sinnlichen Erschei- nungen, die uns zwingen, sie als ruhend aufzufassen, die Zeitachse unseres Bewußtseins bestimmen. Wir werden also die Ruhe definieren können als das Zusammenfallen der Zeit- achse unseres Bewußtseins mit der Zeitachse der Er- scheinung selbst, wohingegen die Bewegung nichts an- deres ist als ein Richtungsunterschied dieser Zeitachsen. Ich muß es mir versagen, mich schon im Rahmen dieser Ab- handlung mit den beschleunigten Bewegungen und mit den all- gemeinen Prinzipien der Bewegungslehre in dem fließenden Raume zu befassen, weil rein mathematische Betrachtungen hier nicht gut am Platze wären. Zum Schlusse will ich nur bemerken, daß die Koordinaten eines Punktes im fließenden Raume sich durch x+it y + it z + it darstellen lassen, welche Ausdrücke dem Mathematiker zeigen, daß die Räume R。, R1, R2... eindeutige kongruente Abbildungen voneinander sind. Ziehen wir aber bewegte Erscheinungen in Be- trachtung, so hört die Kongruenz dieser Abbildungen auf, und es wird sich die mathematische Aufgabe ergeben, die Natur dieser Abbildungen für die verschiedenen Formen der Bewegung zu be- stimmen. 20. Ausblick. In dieser Abhandlung war es mir daran gelegen, bloß ein neues Werkzeug für die philosophische Untersuchung der Natur und des menschlichen Bewußtseins zu liefern, nicht aber auch die An- wendungen dieses Werkzeuges in die verschiedensten Gebiete des menschlichen Wissens zu verfolgen. Die Begriffskonstruktion vom fließenden Raume, die im Grunde nur eine strenge Formulierung unserer raumzeitlichen Anschauung ist, muß sich notwendig frucht- bar in allen Gebieten der Naturwissenschaft erweisen; denn das strenge Achten auf die Einheit von Raum und Zeit resp. auf die dualen Grundbeziehungen dieses Begriffspaares kann nur eine Ver-