26 Neue Theorie des Raumes und der Zeit. Wir sehen ferner, daß zwei verschiedene einfache Identifi- kationsurteile A= A, B B nicht genügen, den Besitz eines Be- wußtseins zu sichern, da die beiden, wenn auch einzeln gefällt, doch nicht in Verbindung miteinander gebracht sind. Und so er- wächst uns die neue Frage, ob ein drittes Identifikationsurteil, C=C, durch welches die beiden vorigen Urteile in Beziehung gesetzt würden, die Denkfähigkeit eines Wesens begründen könnte. Dies führt aber zur Untersuchung eines Bewußtseins von drei Dimensionen. 18. Das Bewußtsein in drei Dimensionen. Eine eingehende Charakteristik des dreidimensionalen Be- wußtseins könnte nur durch eine allgemeine Bewußtseinslehre ge- liefert werden, und dies würde so ziemlich auf die Entwicklung eines philosophischen Systemes herauskommen. Da nun das tierische Bewußtsein im allgemeinen ein dreidimensionales ist, so müßte unter anderem auch jenes Moment betont werden, durch welches sich das dreidimensionale tierische Bewußtsein zu einem spezifisch menschlichen potenziert, was schon für sich eingehende physiologische und psychologische Untersuchungen erfordern würde. Man kann also hier nur eine Andeutung der Rolle von einer dritten Dimension für das Bewußtsein erwarten. Wir kehren zu diesem Zwecke zu dem Wesen in zwei Dimen- sionen zurück, dessen Bewußtsein auf eine Ebene beschränkt ist, die ihm in eine Kante K verschwindet. Dreht sich dieses Wesen um 90º von der Kante ab, so erscheint ihm die Normale N ihrer ganzen Länge nach, wohingegen K in einen Punkt verschwindet. Ein Zurückdrehen um 90° hat zur Folge, daß N verschwindet und K wieder erscheint. Dieses Wesen kann es also nie dahin bringen, daß ihm beide Dimensionen K und N zugleich erscheinen. Während ihm eine Dimension K gegeben ist, verschwindet ihm die andere N in einen Punkt, ganz so, als ob sie eine bloß subjektive oder Zeit- dimension wäre. Ähnlich verhält es sich mit dem eindimensionalen Wesen, dem zwar eine Dimension gegeben ist, dem aber dieselbe in einen Punkt verschwindet, ganz so, als ob sie eine bloß subjektive oder Zeitdimension wäre. Damit es diese eine Dimension wirklich über- . sehen könne, kurz damit sich ihm diese Dimension objektiviere, muß ihm eine zweite Dimension zur Verfügung gestellt werden, aus der es die erste überblickt. Nun wird ihm aber diese zweite Dimension zu einer bloß subjektiven, die es nicht gleichzeitig mit der objektiven Dimension überblicken kann. Der Fortschritt in der Zahl der Dimensionen geschieht also dadurch, daß immer eine subjektive Dimension objektiviert wird.