20 Neue Theorie des Raumes und der Zeit. durch das wir den Punkt A mit sich selbst identifizieren. Ohne das Verdecken oder Zusammenfließen jener Zeitprojektionen könnte ein solches Identifikationsurteil gar nicht zustande kommen, wir könnten den Punkt A nicht als diesen Punkt A erkennen. Das psychische Phänomen des Verdeckens oder Zusammenfließens ist also ein Grundphänomen unseres Bewußtseins, denn erst dieses ermöglicht es, daß wir die punktuelle Erscheinung A mit sich selbst identifizieren. Das Identifikationsurteil, vermittels dessen wir eine punktuelle Erscheinung als eben diese Erscheinung erkennen, nenne ich ein einfaches und sage wohl auch, daß es ein Identifi- kationsurteil von einer Dimension sei, da die zeitliche Mannig- faltigkeit von Empfindungen, die in ihm zusammengefaßt werden, in die eine Dimension der Zeit fällt. Das psychische Phänomen des Verdeckens oder Zusammen- fließens kann auch als Assoziation aufgefaßt werden. Das Zu- sammenfließen der Zeitprojektionen A。, A1, A2... ist eben nichts anderes als eine Assoziation dieser einzelnen Empfindungen; sie ist aber allerdings eine elementare, naturnotwendige Asso- ziation, der wir in der unmittelbaren Wahrnehmung nicht aus- weichen können, denn insolange wir unsere Aufmerksamkeit auf den leuchtenden Punkt A richten, werden sich auch die zeitlichen Einzelempfindungen, die er veranlaßt, verdecken, sie werden not- wendigerweise in den einzigen Eindruck A zusammenfließen, oder wenn es beliebt, sich zu diesem einzigen Eindruck A assoziieren, vereinigen. F. Die Dreizahl der Raumdimensionen. 15. Beziehung zwischen Zeit- und Raumdimensionen. Indem wir die Zeitdimension veräußerlichen oder objekti- vieren, gelangen wir zu dem Begriffe einer Raumdimension. Die- ses Objektivieren geschieht aber dadurch, daß wir die zeitliche. Mannigfaltigkeit A, A1, A2..., die in den einen Raumpunkt A zusammenfließt, als eine gleichzeitige Mannigfaltigkeit auffassen. Eine Raumdimension wird also jedenfalls durch eine gerade Linie dargestellt werden müssen, denn diese und nur diese liefert eine solche Mannigfaltigkeit von Punkten, die anschaulich in einen einzigen Raumpunkt zusammengefaßt werden können. Wir können, wie schon erwähnt, einer jeden Geraden gegenüber unser Auge so einstellen, daß ein Punkt derselben alle anderen verdeckt, wohingegen die Punkte einer Kurve nie zu solcher Deckung ge- bracht werden können. Das psychische Phänomen der Verdeckung ist aber das entscheidende Moment bei der Bildung des Dimensions- begriffes.