Einheit und Dualität des Raumes und der Zeit. 5 Dieser Satz zeigt nun zur Genüge, daß es völlig unmöglich ist, den Raumbegriff ohne Mithilfe des Zeitbegriffes zu konstru- ieren. Was den Raum zum Raume macht, daß wir nämlich seine Teile in eine Einheit zusammenfassen, geschieht eben vermittels des Zeitpunktes, so daß man den Zeitpunkt definieren kann als die Einheit des Weltenraumes, und umgekehrt den Weltenraum auffassen kann als die endlose Entfaltung eines Zeitpunktes. Um dieses Verhältnis von Zeitpunkt und Weltraum anschau- licher zu machen, ist es zweckmäßig, auf einige Analogien aus anderen Denkgebieten hinzuweisen. Wir denken uns z. B. alle Eigenschaften eines Körpers in seiner Substanz in eine Einheit verbunden, so daß die Substanz als die Einheit aller dieser Eigen- schaften, hinwieder diese Eigenschaften als die Entfaltungen jener Substanz aufgefaßt werden können. Noch passender dürfte hier eine geometrische Analogie ihre Stelle finden. Alle Geraden, die durch einen Punkt gehen, bilden ein Strahlenbündel, und die Ein- heit dieses Bündels wird eben durch den gemeinsamen Punkt, hin- wieder die Entfaltung des Bündels durch alle Strahlen desselben dargestellt. Wir dürfen also mit einer geometrischen Metapher sagen: alle Raumpunkte schneiden sich in einem gemeinsamen Zeitpunkte, oder alle Raumpunkte sind Ausstrahlungen, Projek- tionen, eines Zeitpunktes. Wenn aber auch diese Analogien dem Physiker oder Geo- meter mundgerecht sein sollten, den Logiker befriedigen sie nicht, und er fordert geradezu, daß man präzise auf jene bestimmte Denkfunktion hinweisen möge, durch welche der Zeitpunkt mit dem Weltraum stets in Beziehung gesetzt wird. Dieser Forderung ist aber leicht zu genügen, denn überall, wo ein Mannigfaltiges in eine Einheit zusammengefaßt wird, findet jene Denkfunktion statt, die in der Logik mit Urteil bezeichnet wird und sprachlich sich im Satze darstellt. Man nimmt dann gewöhnlich das Einheit- liche zum Subjekt und drückt das Mannigfaltige in Form von einem oder mehreren Prädikaten aus. So nimmt man z. B. die Substanz eines Körpers zum Subjekt eines Satzes und weist den Eigenschaften die Rolle von Prädikaten zu. In unserem Falle wird dann der Zeitpunkt die Stelle des Subjektes, der Weltraum die Stelle des Prädikates einnehmen, und wir erhalten den Satz: Der Zeitpunkt ist der Weltraum. In ähnlichem Sinne sagt z. B. der Geometer: Der Punkt ist ein Strahlenbündel. 5. Der Raumpunkt und der Zeitstrom. Wir gehen nunmehr zur umgekehrten Aufgabe über und wollen das Hineinspielen des Raumbegriffs in den Zeitbegriff einer näheren Prüfung unterwerfen. Zu diesem Zwecke setzen wir den Raumpunkt mit dem Zeitstrom in Verbindung. Wir gehen am