VI Geleitwort. durch Minkowski, so verzerrt worden sind, und er konnte reichlich über die,,Naivität" der Rechner spotten, die den disparaten Charakter von Zeit und Raum zu verwischen trachteten. ,,Mathe- matik schützt vor Torheit nicht", so rief er einmal seinen Zu- hörern gelegentlich eines Vortrages zu, den er in Frankfurt a. M. gegen die Relativitätstheorie zur Zeit ihrer Hochflut hielt. Die Reform, welche Palágyi für die Physik erhoffte, war eine ganz andere, als sie von den Anhängern der Relativitätslehre verkündet wurde.,,Zurück zu Galilei",,,Weltmechanik",,,Äther" sind einige Schlagworte, die Palágyis Zukunftserwartungen kenn- zeichnen und die auch in dem vorliegenden Buche näher aus- geführt werden. Dieser den wenigsten Physikern heute bekannte Denker wird so zum Wegweiser, zum Propheten in der Physik, und viele werden staunen, wie es möglich ist, daß ein Philosoph, der Verständnis für die Physik hatte, ohne selbst Physiker oder Mathematiker zu sein, so selbstsicher und so treffend das zu sehen fähig war, was den Beteiligten, selbst den Fachphysikern, so pro- blematisch vorkommt. Wenn die heutige Revolutionswelle der Wissenschaft, die lange vor dem Weltkriege anhob und inzwischen schon wieder zurückgegangen ist, ganz vorüber sein wird, und wenn wieder der Gedanke einer Evolution auch in der Entwicklung der Wissenschaft sich durchgesetzt hat, dann wird vielleicht die Frage aktuell werden, ob es damals Menschen gegeben hat, die trotz aller suggestiven Modeerscheinungen auch zur Zeit heftigster Gärung sich ihr ruhiges Urteil und ihren klaren Blick für die große Linie des Fortschrittes bewahrt hatten. Ein solcher war Melchior Palágyi. Charlottenburg, im März 1925. Ernst Gehrcke