266 V. Metrische Geometrie. 73. Satz: Es gibt Geometrieen, in denen alle Verknüpfungs-, Anordnungs- und Kongruenzsätze mit Ausnahme von 11 gelten und in denen die gerade Linie die kürzeste Verbindung zweier Punkte ist, und zwar für jeden der drei Fälle, daß auf jeder Geraden kein, ein oder mehr als ein uneigentlicher Punkt liegt, und in letzterem Fall für jeden der drei Fälle, daß die Winkelsumme im Dreieck größer, gleich oder kleiner als zwei Rechte ist. A' Beweis: Für den Fall, daß auf jeder Geraden mehr uneigent- liche Punkte liegen, ist eine solche Geometrie von Hilbert*) kon- struiert worden. Es sei (s. Fig.) in der Euklidischen Ebene eine geschlossene überall konvexe Kurve ge- geben, die als Grenz- oval genommen werde. Die Punkte im Innern sollen die eigentlichen sein. Als Strecke AB werde der Logarithmus des Wurfes ABIJ defi- niert, wo IJ die Schnittpunkte von [AB]mit dem Grenz- oval sind. Dann gelten offenbar alle Sätze, die sich auf das Abtragen, Vergleichen und Addieren von Strecken beziehen. Damit auch dieselben Sätze bezüglich der Winkel gelten, braucht man nur (z. B.) festzusetzen, daß Winkel gleich heißen sollen, wenn sie es im gewöhnlichen Sinne des Wortes sind. Der Grundsatz 11 gilt im allgemeinen nicht, denn gälte er, so gäbe es Affinitäten, also (s. IV 150 S. 221) wäre das Grenz- oval eine Kurve zweiter Ordnung, was ausgeschlossen wird. Der Satz von der Geraden als kürzester gilt. Denn nach einem bekannten Satze (dem Satz des Ceva in projektiver Form) ist das Produkt der drei Würfe, welche zwei Transversalen [A'B'C'], [A"B" C″] eines Drei- ecks ABC auf dessen Seiten bestimmen, der Einheit gleich, also B A B woraus vermittelst " B' C" A" C"A CA A B' A AB : - C" B CB - (BCC). (18: 1B), A C"A JA C'A IA < > C'B JB' C'B IB *) Math, Ann. 46 (1895) p. 91; Grundlagen der Geometrie 2. Aufl. p. 83.