262 V. Metrische Geometrie: fragliche Satz in neuerer Zeit von Dehn*) und Schur**) mit Beweisen versehen worden, mit denen der Satz den ihm zukommenden Platz in der Elementargeometrie nicht einnehmen könnte. Der erstere kon- struiert zu diesem Zwecke eine Pseudogeometrie, der letztere begründet dazu die analytische Nicht-Euklidische Geometrie. Den Satz 59 hat, minder einfach, Dehn (1. c.) zuerst bewiesen. Der Satz 67 wird Legendre zugeschrieben, der aber nur bewies, daß die Winkelsumme nicht größer als zwei Rechte ist, unter der still- schweigenden Annahme uneigentlicher Punkte; die Bemerkung, daß dabei die Meßbarkeit eine notwendige Voraussetzung bildet, rührt von Dehn (1. c.) her. Jedoch weist Dehn nicht nach, daß die eingeführten uneigentlichen Elemente dem Verknüpfungs- und dem Anordnungs- grundsatz entsprechen. Die gerade Linie als kürzeste. 69. Satz: In jedem Dreieck liegt der größeren von zwei Seiten der größere der Winkel gegenüber, wenn als Seiten AB, AC, BC des Dreiecks ABC die kleineren der Strecken AB, AC, BC ge- nommen werden. Beweis: (s. Fig.) Es seien BM], AM] die Mittelgeraden der Winkel CBA und CAB, die nach Voraussetzung kleiner als ge- Co Af M B₁ Q 10 B C B streckte sind. M ist eigentlich; denn existieren überhaupt uneigent- liche Punkte, so liegt ([BM][AC]) zwischen A und C, ist also eigentlich, und dann liegt M zwischen B und ([BM][AC]), ist also eigentlich. Es sei [MC₁] [AB]; C₁ auf [AB] ist eigentlich, ein- deutig (aus 38), B und liegt auf AB; denn ist erstens die Drei- eckswinkelsumme nicht größer als zwei Rechte, existieren also un- Math. Ann. 53 (1900) p. 404. D *) Inaugural-Dissertation, Göttingen 1900 **) Math. Ann. 55 (1902) p. 265. -